Über uns

Der Internationale Beethoven Klavierwettbewerb Wien ist der älteste und wichtigste internationale Klavierwettbewerb Österreichs. Vom 4. Mai – 14. Mai 2020 veranstaltet die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien diesen Wettbewerb zum sechzehnten Mal. Vor über 50 Jahren gegründet, treffen seither alle vier Jahre ausgewählte junge Pianistinnen und Pianisten in Wien zusammen, um vor einer international besetzten Jury und dem Wiener Publikum ihr Können unter Beweis zu stellen.

Geschichte des Wettbewerbs

Beethoven – ein Wiener? Genese eines Wettbewerbs

von Heinz Medjimorec

Im Studienjahr 1959/60 – ich war damals neunzehn – erwähnte mein Lehrer Richard Hauser in einer Unterrichtsstunde, dass er und sein Kollege Dr. Josef Dichler den Vorsatz gefasst hätten, einen großen internationalen Klavierwettbewerb in Wien zu gründen. Anfang der Dreißigerjahren hatte es bereits einen solchen gegeben, an dem an die 200 Kandidaten und Kandidatinnen teilnahmen und bei dem Richard Hauser, gemäß eigenen Angaben, einen der vordersten Plätze errungen hatte.

Das Besondere an der Idee der beiden renommierten Klavierprofessoren der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien war jedoch, dass es ein Stilwettbewerb sein sollte, in dem ausschließlich das Klavierwerk Beethovens als Programm gefordert wurde. Denn – so meinte mein Lehrer – Beethoven hatte vom 22. Lebensjahr an in Wien gelebt und nahezu all seine Kompositionen hier geschaffen. Noch heute erinnere ich mich an den Schlüsselsatz: „Wir müssen diesen Wettbewerb in Wien abhalten, ehe man in Beethovens Geburtsstadt Bonn auf dieselbe Idee verfällt.“ (Mittlerweile gibt es seit 2005 auch dort den Bonner Beethoven-Wettbewerb, der sich aber programmmäßig vom Wiener Wettbewerb deutlich unterscheidet.)

Binnen kurzer Zeit wurden die Statuten des Internationalen Beethoven-Klavierwettbewerbs Wien entworfen, die Programme der drei Runden fixiert und die Prospekte gedruckt und in Europa verschickt. Zugute kam dem Vorbereitenden Komitee – das waren die Professoren der Klavierabteilung der Akademie –, dass der Abteilungsleiter Hermann Schwertmann eine Druckerei besaß, in der die goldfarbenen Prospekte des ersten Wettbewerbs 1961 zu günstigen Bedingungen umgehend hergestellt wurden. Es handelte sich um eine eher bescheidene Auflagenzahl und die Flyer waren, neben persönlichen Kontakten, die einzige Möglichkeit, den neuen Wettbewerb bekannt zu machen. Das Internet war Zukunftsmusik.

Immerhin gab es 1961 an die 60 Anmeldungen, unter ihnen viele an der Akademie inskribierte Studierende. Bereits damals fanden alle drei Runden im Wiener Musikvereinsgebäude statt. Mein Lehrer hatte auch mich motiviert mitzutun und ich werde zwei Momente meiner Teilnahme niemals vergessen: erstens, als ich im Thema der Diabelli-Variationen knapp an einer bedenklichen Gedächtnislücke vorbeischrammte, und zweitens, als ich erfuhr, dass mir 0,08 Punkte gefehlt hatten, um das Finale erreichen. Ich wurde Vierter. – Insgesamt hat sich seit damals an den Programmerfordernissen der drei Runden wenig geändert, ausgenommen die Tatsache, dass seit den Neunzigerjahren alle Teilnehmer zwei Klavierkonzerte vorbereiten müssen und die drei Finalisten erst nach Abschluss der zweiten Runde mittels Losentscheid erfahren, welches der beiden Konzerte sie zu spielen haben. Ein zusätzliches Qualitätskriterium für die Preisträger.

Die Abhaltung des Beethoven-Wettbewerbs im Abstand von jeweils vier Jahren hat sich bewährt. Ursprünglich mussten alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen eine Woche vor Beginn der ersten Runde zur Vorauswahl nach Wien kommen. Diese sechs Tage reichten einfach nicht mehr aus, als die Anzahl der Anmeldungen weit über 100 stieg. Seit mehr als zwanzig Jahren gibt es daher bereits im Februar des Veranstaltungsjahres internationale Vorauswahlen in Europa, in den USA und in Japan. Maximal 36 Kandidatinnen und Kandidaten werden auf Grund ausgezeichneter Leistungen dann zur ersten Runde nach Wien eingeladen. Der Sieg im Finale eröffnet die Möglichkeit für längerfristige Karrierechancen, da der nächste Sieger oder die nächste Siegerin des Internationalen Beethoven Klavierwettbewerbs Wien erst nach vier Jahren gekürt wird.

Nachdem Hermann Schwertmann in den Achtzigerjahren den Vorsitz im vorbereitenden Komitee zufolge seiner Pensionierung zurückgelegt hatte, übernahm der jüngere Lehrerkollege Hans Graf diese Funktion und nach seinem viel zu frühen Ableben 1994 fiel sie mir zu. An dieser Stelle muss die Leistung der damaligen Generalsekretärin Elga Ponzer erwähnt werden; bei ihr liefen alle Fäden zusammen, von der Anmeldephase der zahlreichen Teilnehmer über die Organisation der internationalen Vorauswahlen bis zur Erstellung aller Druckwerke und der Abwicklung des gesamten Hauptwettbewerbs inklusive Schlusskonzert und Preisverleihung. Elga Ponzer war über Jahrzehnte die Seele des Wettbewerbs.

Wie ein Wunder mutete es an, dass die weltbekannte österreichische Klavierfabrik L. Bösendorfer sich nach den ersten international erfolgreichen Wettbewerben bereit erklärte, dem Sieger bzw. der Siegerin einen fabriksneuen 2 m-Flügel zu schenken! Bedingung war, den gesamten Beethoven Wettbewerb exklusiv mit Bösendorfer-Flügeln durchzuführen. Ein solch enorm wertvoller 1. Preis ist nach wie vor weltweit einzigartig und hat die Teilnehmerzahlen zusätzlich stark ansteigen lassen.

Seit 2011 leitet Jan Jiracek von Arnim die Geschicke des Internationalen Beethoven-Klavierwettbewerbs Wien und verbindet die Tradition von mehr als 55 Jahren des Bestehens mit neuen, zeitgemäßen Ideen wie beispielsweise DVD-Auditioning und Internet-Streaming des Hauptwettbewerbs.

Möge dieser Wettbewerb noch viele Neuaufagen erleben. Das wünsche ich den zahlreichen künftigen Teilnehmern und Teilnehmerinnen, für die das Klavierwerk Ludwig van Beethovens ein unabdingbares Fundament ihrer Laufbahn darstellt. Für unsere Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ist der Beethoven Klavierwettbewerb jedenfalls eine international bedeutsame Visitenkarte. Seine Gründung durch die Professoren Hauser und Dichler im Jahr 1960 war eine geniale Vision, die binnen kurzem Realität wurde und aus dem globalen Feld der bedeutendsten Musikwettbewerbe nicht mehr wegzudenken ist.

Bisherige Preisträger/-innen des Internationalen Beethoven Klavierwettbewerbs Wien

2017 

1. Preis – Rodolfo Leone

2. Preis – Sahun Hong

3. Preis – Bolai Cao

2013 

1. Preis – Maria Mazo

2. Preis (ex aequo) – Andrey Gugnin

2. Preis (ex aequo) – Valentin Fheodoroff

2009 

1. Preis – Alexander Schimpf

3. Preis (ex aequo) – Chi Ho Han

3. Preis (ex aequo) – Ji-Hoon Jun

2005 

1. Preis – Herbert Schuch

2. Preis – Gabrielius Alenka

3. Preis – Peter Ovtscharov

2001 

1. Preis – Oliver Kern

2. Preis – Christopher Hinterhuber

3. Preis – Ingo Dannhorn

1997 

1. Preis – Antti Aleksi Siirala

2. Preis – Christoph Berner

3. Preis – Ikuko Nishiyama

1993 

1. Preis – Leon Francis Mccawley

2. Preis (ex aequo) – Filippo Gamba

2. Preis (ex aequo) – Martin Zehn

1989 

1. Preis – Jasminka Stancul

2. Preis – nicht vergeben

3. Preis – nicht vergeben

1985 

1. Preis – Stefan Vladar

2. Preis – Pavel Nersessian

3. Preis – Stephan Möller

1981 

1. Preis – Avedis Kouyoumdjian

2. Preis – Ian Hobson

3. Preis – Héctor Alejandro Daniel Rivera

1977 

1. Preis – Natalia Pankova

2. Preis – Edson Elias

3. Preis – Natalia Vlassenko

1973 

1. Preis – John O‘Conor

2. Preis – Seta Tanyel

3. Preis – Oscar Tarrago

1969 

1. Preis – Mitsuko Uchida

2. Preis – Kosana Jablonskaja

3. Preis – Verena Pfenninger

1965 

1. Preis – Lois Carole Pachucki

2. Preis – Edward Auer

3. Preis – Joao Carlos Miranda De Assis Brasil

1961  

1. Preis – nicht vergeben

2. Preis – Dieter Weber

3. Preis – Blanca Uribe

Bisherige Jurorinnen und Juroren des Internationalen Beethoven Klavierwettbewerbs Wien

Dmitri Alexeev

Fabio Bidini

Bruno Canino

Pascal Devoyon

Sergei Dorensky

Peter Efler

Fumiko Eguchi

Christopher Elton

Brigitte Engerer

Noel Flores

Homero Francesch

Ryoko Fukasawa

Filippo Gamba

Valentin Gheorghiu

Hans Graf

Klaus Hellwig

Christopher Hinterhuber

Martin Hughes

Andreas Häfliger

Margarita Höhenrieder

Dianko Iliew

Akira Imai

Stanislav Ioudenitch

Alexander Jenner

Jan Jiracek von Arnim

Choong-Mo Kang

Yoheved Kaplinsky

Roland Keller

Daejin Kim

Ivan Klansky

Alfons Kontarsky

Michael Krist

Karl-Heinz Kämmerling

Christoph Lieske

Heinz Medjimorec

Dominique Merlet

Viktor Merzhanov

Minoru Nojima

John O‘Conor

Tatjana Ognjanovic

John Owings

Piotr Paleczny

Hans Petermandl

Gitti Pirner

Anne Queffélec

Ferenc Rados

Matti Raekallio

Walter Robert

Markus Schirmer

Soo-Jung Shin

Antti Siirala

Takahiro Sonoda

Jasminka Stancul

Erik Tawaststjerna

Etsuko Terada

Maria Tipo

Dubravka Tomsic

Blanca Uribe

Arie Vardi

Lev Vlassenko

Natasha Vlassenko

Jürg von Vintschger

Fanny Waterman

Wolfgang Watzinger

Eleanor Wong

Idith Zvi

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